30 Jahre Straßenbahnfreunde München e.V.

 

Chronik

1990

 

Nachdem die innerdeutsche Grenze aufgelöst worden war, unternahmen die Straßenbahnfreunde im Frühjahr 1990 zahlreiche Studienreisen  zu den Straßenbahnbetrieben in der »noch DDR«. 

Am Tag der Währungsunion, am 1. Juli 1990, unternahmen die Straßenbahnfreunde eine Sonderfahrt mit dem historischen Kriegsstraßenbahnwagen KSW auf der Woltersdorfer Straßenbahn. Bei der anschließenden Depotbesichtigung sahen wir auch den Triebwagen aus dem Eröffnungsjahr 1912. Darauf entwickelte sich folgender Dialog: „Kann der auch fahren?“ – „Ja.“ – „Was kostet das denn?“ – „50 Mark.“ Da wir uns diese Chance nicht entgehen lassen wollten, drehten wir also im Anschluss gleich eine Runde mit dem Oldtimerwagen. Unsere 50 DM waren wahrscheinlich der erste größere Betrag der neuen Währung, welchen die Woltersdorfer Straßenbahn am Tag der Währungsunion eingenommen hat.

Am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland offiziell wiedervereinigt. Dieses Datum galt im Jahr 1990 auch erstmals als Feiertag. Während das ganze Land die Einheit feierte, durften die Straßenbahnfreunde im Betriebshof 3 aus den zu verschrottenden Straßenbahnwagen Sitze und Lampen ausbauen. Diese Teile dienen uns heute als Mobiliar für unser Vereinsheim. Zum Oktoberfest 1990 organisierten die Straßenbahnfreunde an den drei Oktoberfestwochenenden die Wiesnfahrten. Diese Aktion sollte ein verkehrspolitisches Zeichen setzen, die Trambahnschleife an der Theresienwiese wieder in Betrieb zu nehmen. Da seit 1984 die U5 zur Theresienwiese fährt, verkehrte die Trambahn-Sonderlinie zur Wiesn im Jahr 1983 zum letzten Mal.

Leider fand unsere Aktion nicht das notwendige politische Gehör. Die Trambahnschleife an der Wiesn wurde inzwischen komplett abgebaut. Aufgrund der Überfüllung des U-Bahnhofs Theresienwiese während des Oktoberfestes wäre es unserer Ansicht nach aber auch heute noch sinnvoll, wieder eine Trambahn-Zubringerlinie zum Oktoberfest einzurichten.

Im Herbst 1990 unternahmen wir eine Studienfahrt nach Stuttgart, um die lange Linie 15 von Echterdingen bis Gerlingen noch im Originalzustand zu erleben, bevor diese in eine normalspurige Stadtbahn umgewandelt und der Ast nach Echterdingen endgültig eingestellt wurde.

Im Jahr 1990 führten wir auch unsere »Fahrerbescherung « ein. Seitdem bekommen alle Straßenbahnfahrer, die am Heiligen Abend Dienst tun müssen, von den Straßenbahnfreunden eine kleine Aufmerksamkeit überreicht. Am Ende des Jahres beginnt in München das Niederflurzeitalter!

Der erste R1.1-Prototyp erreicht die Stadt und wird offiziell vorgestellt. Nachdem die Wagen einige Jahre getestet wurden, werden von der Serienausführung 70 Wagen bestellt, welche in den Jahren 1994 bis 1997 in Dienst gestellt werden.

 

 

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